Berührungspunkte Social Media und Soziale Arbeit

Einfluss und Auswirkungen von Social Media
Einerseits kann ein einziger unüberlegter Tweet oder ein fragwürdiger Kommentar auf Facebook über die weitere berufliche Karriere eines Menschen entscheiden. Andererseits
nimmt der Einfluss von Social Media auf die Politik und die Medien ständig zu. Das Abstimmungsresultat bei der Durchsetzungsinitiative vom Februar 2016 hätte ohne Social
Media bestimmt anders ausgesehen. Viele haben sich über Social Media politisch geoutet und Stellung bezogen und so andere dazu motiviert, an die Urne zu gehen.
Social Media haben also Wirkungen und Nebenwirkungen – auch im Bereich der Sozialen Arbeit.

pexels-photo-59628Berührungspunkte
Medienkompetenz – Begleitung von KlientInnen
Wenn Sie mit KlientInnen, v.a. auch Jugendlichen, zu tun haben, werden Social Media ein zwingendes Thema sein. Die Mediennutzung Jugendlicher wird vorwiegend kritisch diskutiert. Das ist aber seit jeher der Fall, wenn «neue» Medien auf den Markt kommen. Dabei erübrigt sich die Diskussion, ob Facebook, Twitter, Whatsapp oder Snapchat sinnvoll sind oder eher ein kompletter Blödsinn. Tatsache ist, dass diese Plattformen nun einmal genutzt werden und gerade für Jugendliche einen wichtigen Teil ihrer Lebenswelt darstellen. Eine überzeugende Kritik am Umgang der KlientInnen mit Social Media ist nur glaubhaft, wenn Sie wissen, wovon diese sprechen. Dies bedingt die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Tools.
Früher war Medienkompetenz meistens die Aufgabe der Medienpädagogik, heute betrifft sie fast sämtliche Bereiche der Sozialen Arbeit.

Beratung von KlientInnen – Online Beratung
Pro Juventute passt sich der Medienwelt ihrer Zielgruppe an und bietet Beratungen über SMS, Chat oder E-Mail an. Der Einsatz verschiedener Kanäle wird für Organisationen in Zukunft entscheidend sein, damit sie ihre KlientInnen erreichen, die sich immer mehr an die Funktionen, welche Facebook, Whatsapp, Twitter und Co. ihnen zur Verfügung stellen, gewöhnen.
Selbstverständlich gilt es die Bedenken bei der institutionellen Nutzung dieser Plattformen ernst zu nehmen, v.a. bezüglich des Datenschutzes. Doch auch hier können sich Organisationen der Realität nicht verschliessen und müssen einen Weg finden, um präsent zu sein. Möglicherweise geht es darum, die ersten Schritte einer Beratung über diese Kanäle zu starten und im späteren Verlauf der Beratung auf eigene Technologien zu wechseln.

Austausch unter Fachpersonen
In einer stets komplexeren Welt wird es immer wichtiger, die richtigen Informationen herauszufiltern und sich mit anderen Personen auszutauschen. Dafür bietet das Internet tolle neue Möglichkeiten. Geschlossene Gruppen innerhalb von Facebook sind nur eine davon, um sich in einem geschützten Rahmen mit anderen Fachpersonen auszutauschen. Google+ bietet ebenfalls eine gute Option, um in Gruppen Informationen zu sammeln und diese zu diskutieren.
Auch bei diesem Thema ist es wichtig, den Datenschutz im Auge zu behalten. Mittlerweile gibt es geschlossene Soziale Netzwerke wie Yammer, bei denen nur ausgewählte Personen mitmachen können, und es gibt Tools, die man auf dem eigenen Server laufen lassen kann.
Bei einem Twitter-Account kann mit Listen gearbeitet werden, um sich so eine Übersicht zu verschaffen über die vielen Nachrichten, die tagtäglich getwittert werden.

Marketing, Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit
Sowohl das Internet als auch Social Media sind wichtige Instrumente für das Marketing. Fast jedes Soziale Netzwerk bietet heute die Möglichkeit, zielgruppengerechte Werbung zu schalten. Weiter gibt es Plattformen, über die allgemein oder für ein bestimmtes Projekt Spenden gesammelt werden können (z. B. wemakeit.com). Mittlerweile gibt es auch Websites, auf welchen monatliche oder jährliche Spenden oder Patenschaften organisiert werden können (patreon.com).
Für die Öffentlichkeitsarbeit ist der Einsatz von Social Media ebenfalls sehr zu empfehlen.
Eigene Pressemeldungen oder Kommentare zu Ereignissen können so ohne «Gatekeeper» an eine breite Öffentlichkeit gesendet werden. Denn auch über die Soziale Arbeit wird bei Twitter oder Facebook immer mehr gesprochen. Nur wer hier mitspricht, kann seine Sicht der Dinge darlegen. Ein entsprechendes Monitoring kann helfen, einer Diskussion zu folgen.

Digitalisierung
Die Digitalisierung wird in den nächsten Jahren weiter fortschreiten und fast alle Bereiche unseres Lebens beeinflussen. Die Musik- und Filmbranche, Medien und Verlage haben bereits erlebt, was die Digitalisierung für einen Einfluss haben kann. Durch Digitale Innovationen werden bestehende Geschäftsmodelle verdrängt und Märkte müssen sich komplett neu erfinden. Bei der Mobilität (selbstfahrende Autos, Homeoffice), Arbeit (Plattform Kapitalismus, Roboter) und Gesundheit (Wearables, Versicherungsmodelle) wird uns die Digitalisierung in den nächsten Jahren stark beschäftigen. Das sind alles Bereiche, von denen auch die Soziale Arbeit betroffen sein wird. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Sozialen Organisationen auf die Digitalisierung vorbereiten und auf das Thema einlassen.

Dieser Artikel ist in unserem Jahresbericht 2015 erschienen.

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz führen wir zudem ein Fachseminar zu diesem Thema durch. Weitere Informationen.

Share

„Soziale Arbeit in der Digitalen Gesellschaft“ – Rückblick auf das Modul

IMG_0360

Die Zeit vergeht im Fluge, insbesondere wenn man mit interessierten Studierenden über die Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Soziale Arbeit sprechen darf. So ist die erste Durchführung des Moduls „Soziale Arbeit in der digitalen Gesellschaft“ schon Geschichte.

Nach diesen 12 Halbtagen und den aufschlussreichen und positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden bin ich noch mehr davon überzeugt, dass das Thema Digitalisierung für die Soziale Arbeit unglaublich wichtig ist. Die Tragweite der Digitalisierung ist nach wie vor vielen Menschen nicht bewusst. Gerade in der Sozialen Arbeit erlebe ich gegenüber neuen Medien und Technologien eine eher konservative Haltung, die schon Richtung Kulturpessimismus geht. Leider führt diese Haltung häufig dazu, dass man sich nicht einmal über die Möglichkeiten einer neuen Technologie Gedanken macht, sondern einfach pauschal alles ablehnt, selbst wenn die Technologie in der relevanten beruflichen Zielgruppe bereits in regem Gebrauch ist und sich dieser die Frage, ob WhatsApp etwas bringt, nicht mehr stellt.

Aber natürlich wollten wir in unserem Modul nicht einfach eine Lobeshymne auf die Digitalisierung anstimmen, sondern durchaus kritisch über die Möglichkeiten und Tendenzen berichten und so die Studierenden zum Nachdenken anregen. Einen Tag lang mussten sie zum Beispiel in einem Journal festhalten, wo überall persönliche Daten von ihnen gesammelt werden. Spannend waren auch die Keynotes der externen Fachpersonen zu Monitoring, Politik und Wissenschaft, Online-Beratung oder Rechte im Internet.

Gestartet sind wir im Modul  mit einem Blick in die Zukunft: wo stehen wir und wohin könnte die Digitalisierung führen? Welche Auswirkungen könnte dies auf die Wirtschaft, unsere Arbeit, auf Medizin, Politik und Mobilität haben? Das eine oder andere doch ziemlich erstaunte Gesicht konnte ich danach in der Runde erblicken. Durch das Zusammensetzen der Puzzleteile aus den verschiedenen Halbtagen, hat sich die Erkenntnis, was dies alles für die Soziale Arbeite bedeuten könnte, immer mehr herauskristallisiert.

Erfreulicherweise kam es während des Unterrichtes immer wieder zu Diskussionen und kritischen Inputs durch die Studierenden, was mir gezeigt hat, dass sich die Leute für dieses Thema interessieren und vor allem auch mitreden können und wollen.

Ironischerweise hatten wir während den Online-Sequenzen leider ab und zu mit der Technik zu kämpfen, was wir aber bis zur nächsten Durchführung verbessern werden.

Selbstverständlich haben wir auch die Kompetenznachweise dem Thema angepasst. Die Studierenden sollten sich konkret und praxisnah über einen Blog oder über Twitter mit dem Thema auseinandersetzen.

So sind zwei Blogs und ein Twitter-Experiment entstanden: https://rem3blog.wordpress.com,  http://sozialearbeit-zweipunktnull.jimdo.com,   #wasdänkschdudrüber

Die Ausschreibung für das nächste Modul „Soziale Arbeit in der digitalen Gesellschaft“ an der BFH beginnt bald und ich hoffe, dass wir uns auch im nächsten Semester mit diesem spannenden Thema neu auseinandersetzen können. „Neu“ deshalb, weil sich bis dahin wieder vieles geändert haben wird und wir auch unser eigenes Wissen immer wieder updaten. Es bleibt – wie so oft im Leben – spannend.

Update:
In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz führen wir im September ein Fachseminar zu diesem Thema durch. Weitere Informationen.

Share

re:publica TEN – Die Konferenz der Begegnungen

IMG_0766Zum dritten Mal durfte ich die re:publica in Berlin besuchen und wieder einmal war ich begeistert von der Vielfalt an Menschen, die an diesen drei Tagen zusammen gekommen sind. Wie in den letzten Jahren, lag auch dieses Mal ein besonderes Gefühl im Raum. Das Gefühl eine andere, eine bessere (digitale) Welt sei möglich. Und gerade dieses Jahr fand ich die Aufrufe gegen Hass, gegen Ungerechtigkeit besonders stark. Das tut in dieser herausfordernden Zeit besonders gut, auch wenn die Bilanz des Erreichten dann doch etwas ernüchternd ausfällt.

Das Digitale-Klassentreffen bot auch dieses Jahr wieder eine überfordernde Auswahl an tollen Vorträgen, Panels und Begegnungen, um genau zu sein 17 Bühnen, 770 SprecherInnen, 500 Sessions, 8000 TeilnehmerInnen aus 60 Ländern (zum Glück kann man sich die meisten danach online ansehen).

Vielleicht ist es ja schon ein Anfang, wenn wir mal wieder „nur“ zuhören, andere Meinungen und Sichtweisen einfach zur Kenntnis nehmen, darüber nachdenken und mit anderen darüber weiter diskutieren.
Weiterlesen

Share

Fachseminar: Social Media und Soziale Arbeit

FHNW in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle sozialinfo.ch

„Social media is happening. It’s just the question: are you in or out?“ – Suzi LeVine, US Botschafterin Bern

bild_vortrag_leitfadenFacebook, Twitter und Co. gehören nicht nur für Geeks und Nerds zum Alltag. Auch Politiker, Journalisten, Eltern, Grosseltern holen sich mittlerweile viele Informationen über die diversen Social Media-Kanäle. Es wird geteilt, geliket und auch kommentiert. Dabei wird kein Thema ausgelassen.

Für die Wirtschaft, Politik und Medien ist es heute kaum noch eine Frage ob sie eine Facebookseite oder einen Twitter Account unterhalten, dort ist es wichtig wahrgenommen zu werden und mit dem Kunden oder Wählern in Kontakt zu sein um ihr Image zu pflegen. Auch für Soziale Institutionen stellt sich u.a. die Frage der Imagepflege mehr den je.  Gerade die letzten Monate haben gezeigt das auch über die Soziale Arbeit auf Facebook und Twitter gesprochen wird, aber wer spricht mit?.
Die Erwartungen an Firmen aber eben auch an Organisationen haben sich in den letzten Jahren geändert. Also sollten Wege gefunden werden wie Organisationen der Sozialen Arbeit ihre Positionen auch auf Social Media vertreten können.

Deshalb führen wir, in Zusammenarbeit mit der FHNW, ein Fachseminar zu diesem spannenden Thema durch.
Weiterlesen

Share

Modul an der BFH: Soziale Arbeit in der digitalisierten Gesellschaft

„Internet! Is that thing still Around?“
Homer Simpson

Für uns auf der Geschäftsstelle sozialinfo.ch ist die Digitalisierung der Gesellschaft seit langem ein Thema. Insbesonders haben wir uns mit der Bedeutung von Social Media in der Sozialen Arbeit auseinandersgesetzt. Dazu haben wir vor zwei Jahren einen Leitfaden zuhanden der Professionellen der Sozialen Arbeit publiziert.

Die Digitalisierung hat seit einigen Jahren einen zunehmenden Einfluss auf unser Leben und wird auch künftig zu weiteren Veränderungen führen. Die Wirtschaft, die Medien und die Politik sind schon jetzt davon betroffen. Durch Uber, AirBnb und andere Plattformen wird auch die Arbeitswelt zunehmend davon beeinflusst. (Dazu hier ein Artikel zum Thema „Die Gefahren der Gig Economy).

bild_vortrag_leitfaden

Auch für die Soziale Arbeit erhält die Digitalisierung zunehmende Bedeutung. Im Artikel „Soziale Arbeit auf Twitter, Facebook und Co. – Eine Bilanz“ haben wir versucht zusammenzufassen was sich allein im letzten Jahr auf den Social Media Kanälen in Bezug auf die Meinungsbildung über soziale Themen getan hat. Gerade im Zug der Diskussionen um die SKOS und KESB haben nicht nur die Medien das Gefäss Twitter genutzt, sondern auch Politiker und Bürger haben ihre Meinung getwittert.
Weiterlesen

Share