Empfehlungen für den Umgang mit Social Media

Was haben Social Media mit Sozialer Arbeit zu tun?
Längst hat man sich daran gewöhnt, dass Unmengen von Informationen über verschiedene Kanäle verbreitet werden, dass Privatsphäre und Datenschutz zwar wichtig sind, aber kaum aktiv wahrgenommen werden und dass regelmässig ein kleinerer oder grösserer Skandal in diesem Bereich auftritt – der schnell wieder vergessen geht. In den letzten beiden Jahren war das Thema «Social Media» in aller Munde. Jetzt ist der Hype bereits etwas vorbei. Andere Themen sind aktuell. Was also haben Social Media mit der Sozialen Arbeit zu tun, fragen sich manche, die in diesem Bereich tätig sind.

Wir möchten erinnern:

These 1: Social Media sind kein Hype! Die Klientschaft der Sozialen Arbeit und Jugendliche nutzen Social Media-Plattformen. Die Vorteile der einfachen Kommunikation und der Erreichbarkeit mittels mobiler Geräte sind gerade für Menschen mit körperlichen Einschränkungen wichtig.

Empfehlung: Zur Überwindung des «Digital Gap» sind Institutionen der Sozialen Arbeit gefordert, sich mit der Thematik der Social Media auseinanderzusetzen. Vor allem im direkten Kontakt mit der Klientschaft ist erhöhte Sorgfalt geboten.

These 2: Soziale Institutionen nutzen Social Media kaum – im Gegensatz zu Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Gemäss den Ergebnissen der Bernet-Studie 2013 sind zwei Drittel aller Schweizer Unternehmen mit Social Media unterwegs. Die Erhebung der Geschäftsstelle sozialinfo.ch vom Oktober 2013 zeigt für die Sozialen Institutionen ein ganz anderes Bild. Nur gerade 20 Prozent stellen ihr Profi auf Facebook oder einer andern Plattform zur Verfügung. Die Zahl nahm in den letzten drei Jahren zwar etwas zu (s. nebenstehende Grafi k), eine explosionsartige Zunahme, wie sie in der Wirtschaft erfolgte, ist jedoch nicht festzustellen. Diese Abwesenheit kann aus Passivität entstehen, kann aber auch gute Gründe haben. Die Geschäftsstelle sozialinfo.ch ist der Ansicht, dass eine Präsenz in den Social Media-Kanälen für eine Vielzahl der Sozialen Organisationen nicht nötig ist.

Empfehlung: Der Entscheid für oder gegen ein Social Media-Profi l einer Institution ist ein strategischer Entscheid und bindet viele Ressourcen. Es macht durchaus Sinn, dass Soziale Institutionen keinen Social Media-Auftritt pfl egen.

These 3: Für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen stellen nicht Social Media eine Gefahr dar, sondern die fehlende Medienkompetenz. Ein Grossteil der Jugendlichen nutzt Social Media ganz selbstverständlich und regelmässig. Seitens der Jugendlichen mit Einschränkungen ist die unbedarfte Nutzung möglicherweise problematisch. Gerade Institutionen in der Sozialpädagogik kommen nicht darum herum, sich diesem Thema zu stellen und die Schnittstelle zwischen familiärem Umfeld, Peergroup, Wohnsituation, Schule und Ausbildung mit Sorgfalt und Fingerspitzengefühl, aber auch mit fachlichem Know-how wahrzunehmen.

Empfehlung: Medienkompetenz und Regeln für den Persönlichkeitsschutz geben Sicherheit für die Institution, das Personal und die Betroffenen. Die Geschäftsstelle sozialinfo.ch empfi ehlt den Sozialen Institutionen, sich in einem ersten Schritt innerhalb der Organisation mit dem Thema vertraut zu machen und sich – seitens der Mitarbeitenden, der Geschäftsleitung wie auch der Betroffenen – eine grösstmögliche Medienkompetenz zu verschaffen.

These 4: Die Entwicklung von Web 1.0 zu Web 3.0 stellt uns gesellschaftlich und persönlich vor grosse Herausforderungen. Die Digitalisierung und neue Kommunikation über Social Media und mobile Geräte prägt die Gesellschaft in einem ähnlichen Masse wie z. B. der Buchdruck oder die Industrialisierung. Wir befi nden uns in einem riesigen Wandel. Eine neue Kommunikation ist entstanden. Organisationen kommen nicht darum herum, sich dieser Entwicklung zu stellen. Doch wie soll das geschehen? Viele Empfehlungen laufen darauf hinaus, einfach mal zu experimentieren und sich ein Facebook-Profi l zu erstellen. Gerade für sozialpädagogische Institutionen ist dies nicht empfehlenswert. Zu gross ist die Gefahr, dass interne Informationen, persönliche Daten oder unpassendes Fotomaterial veröffentlicht werden. 11 Für Professionelle der Sozialen Arbeit gilt es, gewisse Regeln zu beachten und sich bewusst zu werden, wie Social Media funktionieren.

Empfehlung für Privatpersonen: Setzen Sie sich o ffen und interessiert, aber auch verantwortungsbewusst und kritisch mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten auseinander. Eignen Sie sich die für Ihren Bereich nötige Medienkompetenz an!

Empfehlung für Soziale Institutionen: Seitens der Organisation empfi ehlt es sich, ein Social Media-Konzept zu erstellen. Dies besteht aus 3 Schritten: • Strategischer Entscheid für oder gegen Social Media in Ihrer Organisation • Social Media-Policy: Regelwerk für den Umgang der Institution mit Social Media-Kanälen • Social Media-Richtlinien: Regeln für den Umgang mit Social Media-Plattformen für das Personal der Institution wie auch für die Klientschaft (z.B. in einer Wohninstitution)

Die Geschäftsstelle sozialinfo.ch steht Ihnen für Ihre Fragen in diesem Kontext gerne zur Verfügung. Für ein Pilotprojekt suchen wir eine oder zwei Praxisorganisationen, welche sich mit dem Thema beschäftigen und in Zusammenarbeit mit unseren Experten die Umsetzung vertieft prüfen möchten.

Social Media-Präsenz Schweizer Unternehmen und Social Media-Präsenz Soziale Institutionen

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Social Media in Organisationen: Strategie, Guidelines und Policy

Aerial view of cars in trafficIm Workshop Social Media in Organisationen: Strategie, Guidelines und Policy am Praxisforum der FHNW habe ich die Ausgangssituation zum heutigen Zeitpunkt (November 2013) in Form von 3 Thesen dargestellt. Zusammen mit diesen 3 Thesen habe wurden auch Empfehlungen an Soziale Organisationen formuliert und auf der Handlungsebene die Inhalte eines Social Media Konzeptes skizziert.
Ein Social Media Konzept umfasst einen strategischen Entscheid, Regeln im Umgang mit dem Persönlichkeitsschutz und Datenschutz für Mitarbeitende und Klienten (v.a. in stationären Einrichtungen) sowie Social Media Guidelines und eine Social Media Policy für die Erstellung eines Profils der Institution.

Wichtigkeit des Datenschutzes und Persönlichkeitsschutzes auf den Ebenen Institution, Mitarbeitende und Betroffene. Da vor allem in Sozialen Netzwerken (Facebook) der Datenschutz nicht gewährleistet ist und es bei den Inhalten mehrheitlich um persönliche Informationen geht, ist die Errichtung einer Institutionenseite aus meiner Sicht nicht Priorität. Vielmehr sollen Zeit und Ressourcen zum heutigen Zeitpunkt in die Formulierung von Regeln im Umgang mit den Kommunikationsmitteln (Social Media Guidelines) und in die Vermittlung von Medienkompetenz fliessen.

Der Workshop gab die Möglichkeit eines gegenseitigen Austausches und es tauchte die Frage auf, für welche Institutionen denn überhaupt ein Social Media Profil sinnvoll ist. Meiner Meinung nach ist dies für Institutionen in der fachlichen Informationsvermittlung, der Prävention und für die Werbekommunikation gegeben. Die in Social Media Kanälen veröffentlichte Information über eine Institution muss gesichert und objektiv sein – wie dies beispielweise auch bei einer Print-Veröffentlichung der Fall ist.
Aufgrund der Eigenheiten von Social Media (many-to-many Prinzip, Schneeballeffekt, Schnelligkeit des Mediums) sollen keine persönlichen Kommentare, Daten und Photos von Personen und über die Institution und darin arbeitende oder lebende Personen veröffentlicht werden.


In der Präsentation und im Leitfaden „Soziale Arbeit & Social Media“ können die einzelnen Schritte und Empfehlungen zu einem Social Media Konzept abgerufen werden.

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Soziale Arbeit & Social Media

Unsere Gesellschaft wurde durch den Boom der neuen Medien regelrecht überschwemmt. Wie die Anwendungen in zehn Jahren aussehen und heissen werden ist ungewiss. Gewiss ist aber, dass sich die neue Art der Kommunikation etablieren wird und niemand darum herum kommen wird, sich damit auseinanderzusetzen und Kommunikation neu und anders zu leben. Dies gilt auch für den Bereich der Sozialen Arbeit.
Welchen Stellenwert haben Social Media-Kanäle für die Soziale Arbeit? Und welchen
Stellenwert sollten sie haben? Diesen Fragen sind Barbara Beringer, Martin Heiniger und
Patrick Blaser von der Geschäftsstelle sozialinfo.ch nachgegangen.

Die Statistik
Eine statistische Erhebung im Online-Branchenbuch von sozialinfo.ch zeigt, dass die Social Media-Aktivitäten im Bereich Soziale Arbeit noch bescheiden und auch nur in kleinen Schritten zunehmend sind.

statistik_praesentation_1Die Studie
Interessant ist der Vergleich der obigen Grafik mit den Ergebnissen einer Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), die 2011 erstmals durchgeführt und 2012 wiederholt wurde.

In dieser Studie sind die Social Media-Aktivitäten von Schweizer Unternehmen erhoben
worden. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Neun von zehn der befragten Unternehmen haben Social Media-Präsenz. Das entspricht einer Zunahme von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Die Hälfte dieser Unternehmen hat die Bedeutung einer definierten Social Media-Strategie erkannt und umgesetzt: das entspricht ebenfalls einer Zunahme von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Das Social Media-Ziel «Image- und Reputationsaufbau» belegt mit 87 Prozent den ersten Rang. Die grössten Wachstumsraten verzeichnen die Ziele: «Vertrauen in das Unternehmen schaffen», und «Beziehung zum Kunden sowie Journalisten pflegen».
  • Als grösste Schwäche der Social Media wird der hohe personelle und zeitliche Aufwand gesehen. Die Angst vor Kontrollverlust und Indiskretionen ist mittlerweile gesunken.

Ein direkter Einblick in die Studie (Alter Link: www.socialmediastudie.ch – Neuer Link: bernetblog.ch/2013/04/26/social-media-studie-beteiligung-schweiz-deutschland-usa/) lohnt sich, gibt sie doch detailliert Aufschluss nicht nur über die Aktivitäten, sondern auch über die Ziele und die Strategie der befragten Unternehmen.
Während sich also die Schweizer Unternehmen vom Einsatz von Social Media einen Mehrwert versprechen, scheint sich diese Erkenntnis im Bereich der Sozialen Arbeit noch nicht durchgesetzt zu haben. Das hat die Geschäftsstelle sozialinfo bewogen, eine breite Palette von Informationen und Erfahrungen zu sammeln und zusammenzustellen.

Der Leitfaden
Diese Informationen und die Meinung von verschiedenen Personen, die sich an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit und Social Media bewegen, sind zu einem Leitfaden zusammengestellt und im Rahmen des 10-Jahre-Jubiläums des Vereins sozialinfo.ch im April 2013 publiziert worden. Der Leitfaden soll Mut machen für die gezielte Auseinandersetzung mit der Thematik. Dazu werden die Chancen und Gefahren der Sozialen Netzwerke aufgezeigt, immer fokussiert auf die Soziale Arbeit.

Der Blick richtet sich auf folgende Aspekte und Problemfelder:

  • Möglichkeiten der Nutzung von Social Media in der Sozialen Arbeit
  • Verschiedene Klientengruppen und Social Media
  • Accessibility und Social Media
  • Kontrolle und Datenschutz
  • Persönlichkeitsschutz und Massnahmen
  • Entscheid für oder gegen Social Media

Die Interviews
Neben Artikeln zu verschiedenen Aspekten des Themas wurden Personen an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit und Social Media – also Betroffene, Sozialarbeitende, Institutions- und Rechtsvertreter – befragt, hier vorgestellt mit je einem Zitat:

«Facebook ist ein Land, ist ein Ort in unserer Welt. In diesem Land sollten auch die verschiedenen Stellen von Sozialer Arbeit vertreten sein.»
René Jaun, Accessibility Consultant; sehbehindert/blind

«Wenn es uns nicht gelingt, das Interesse für das Medium zu wecken, wenn der Fokus auf
den Risiken und Gefahren bleibt, dann entsteht wenig Motivation, sich auf Neues einzulassen.» Marcel Küng, soziokultureller Animator – Jugendseelsorge Zürich und www.sozialmedia.ch

«Nicht die Sache selbst ist problematisch, sondern die eigene Einstellung dazu. Wie soll
es möglich sein, sich für angemessene Anwendungsmodi einzusetzen, ohne sich mit dem
Medium auseinanderzusetzen?»
Olivier Grand, Geschäftsleiter bei AvenirSocial

«Ich habe nicht den Eindruck, dass sich Sozialarbeitende Neuem verschliessen und dass
sie Projekte aus dem Bereich Social Media grundsätzlich zurückweisen. Es stellt sich immer die Frage nach den Ressourcen.»
Silvia Schoch-Meyer, Sozialarbeiterin, DFA Zürich

«Ich glaube, dass wir mit unseren Einschätzungen oft danebenliegen. Junge Klienten kommen zwar mit vertrauten Formen von Social Media sehr gut zurecht, komplexere Übertragungen von Wissen und Können funktionieren dagegen weniger gut. Wir neigen dazu, sie zu überschätzen, während wir ältere Menschen oft unterschätzen. Dabei haben gerade die ‹jüngeren Alten›, also die 60- bis 70-jährigen, oft sehr grosses Interesse an den neuen Medien.»
Matthias Naleppa, Dozent Berner Fachhochschule

«Eine Organisation muss ein Leuchtturm sein in einer Flut von Informationen. Es muss
sichtbar sein, dass diese Organisation ein Kompetenzzentrum ist für alle grossen und kleinen Fragen in einem bestimmten Bereich.»
Marie Christine Schindler, mcschindler.com, Senior Consultant

«Unabhängig davon, ob sie diese selber nutzen, sind soziale Institutionen wie andere Organisationen und Unternehmen Gegenstand der Kommunikation in Social Media und müssen sich darauf einstellen, dass ihr Image in der Öffentlichkeit zunehmend durch diese Kommunikation geprägt sein wird.»
Ursula Widmer, Rechtsanwältin Dr. Widmer & Partner

«Ein schönes Bild für den gegenwärtigen Zustand zeigt den Datenschützer, wie er die
virtuellen Netze mit einer rostigen Flinte durchstreift. Er kämpft im Cyberwar, aber mit
untauglichen Mitteln.»
Kurt Pärli, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW

«Die digitale Hektik im täglichen Leben wird verschwinden, und die gesellschaftliche
Kommunikation wird vom Overhead befreit. Die gesellschaftliche Diskussion wird damit
wieder nachhaltiger werden in Bezug auf Gehalt und Themen.»
Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich

«Social Media bieten, wie die digitale Gesellschaft als Ganzes, die grosse Chance, die bestehenden Machtverhältnisse zumindest punktuell ins Wanken zu bringen. Dynamik ist
aber stets ein Risiko, weil Umbrüche starke Gegenkräfte wecken. Der Ausgang des Spiels
ist offen.» Daniel Graf, FEINHEIT Kommunikation – Blog von Daniel Graf

«Heute kann jeder ein Freiheitskämpfer sein, selbst ein Schwerstbehinderter: So lange er
noch in der Lage ist, einen Klick zu machen, kann er seinen Teil beitragen.»
David Siems, Unabhängiger SL-Aktivist, Blogger – selbstbestimmung.ch

Die Strategie
Nach dem Blick nach aussen (Was tut sich da? Was tun die andern?) empfiehlt es sich, in
einem ersten (und dem wichtigsten) Schritt, strategische Überlegungen anzustellen und
seitens der Trägerschaft zu klären, ob und in welchem Rahmen die Nutzung der Social
Media-Kanäle für die Organisation Sinn macht.

Dabei stellen sich folgende Fragen:

  • Was versteht die Trägerschaft/Geschäftsleitung unter Social Media? (Definition)
  • Was ist das Ziel der Nutzung?
  • Welche Kanäle von Social Media sollen durch die Institution genutzt werden?
  • Sind genügend Ressourcen für die Konzeption, die Erstellung der Profile wie auch für die langfristige Bewirtschaftung und das Monitoring der entsprechenden Kanäle im Social Web vorhanden?
  • Wer wird mit der Konzeption der Umsetzung beauftragt?

Nach der Beantwortung dieser Fragen, kann sich eine Organisation bewusst und frei für
oder gegen Social Media entscheiden.
Gefragt ist also ein klares Ja – oder auch ein klares Nein. Wenig Sinn macht es, der ganzen Frage auszuweichen und den Kopf in den Sand zu stecken, Und genau so wenig Sinn macht es, den Kopf in die Wolken zu strecken und sich blind an dem grossen Hype zu beteiligen.

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