Soziale Arbeit auf Twitter, Facebook und Co. – Eine Bilanz

socialmedia_sozialearbeit_jbVor zwei Jahren haben wir den Leitfaden «Soziale Arbeit und Social Media» veröffentlicht. Zwei Jahre sind im Internet eine kleine Ewigkeit. Umso spannender ist es, das Thema wieder aufzunehmen und eine kurze Übersicht zu geben, was sich in diesen zwei Jahren geändert hat.

Nach wie vor sind nur wenige Institutionen aus dem Sozialen Bereich auf Facebook, Twitter oder Google+ vertreten. Am ehesten sind es Betroffenenorganisationen oder Organisationen der Jugendarbeit, welche diese Tools aktiv nutzen, entweder als Kanal für Beratung oder für Fundraising.

Über die Sozialhilfe und die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde wird in der letzten Zeit medial viel diskutiert, nicht nur in herkömmlichen Medien, sondern auch auf Facebook und Twitter. Allerdings sind die betroffenen Behörden selber nicht am virtuellen Tisch vertreten.

Nach dem Fall in Flaach wurden im Januar 2015 mehr als 1000 Tweets zum Thema Kesb verfasst. Unter den Hashtags #KESB #SKOS und #Sozialhilfe finden sich auch heute noch fast täglich Beiträge zum Thema, entweder als Reaktion auf einen Artikel in den Medien, häufig aber auch als Instrument für Politiker, um sich zu diesem Thema zu äussern.

Über Institutionen wird also in den Sozialen Medien gesprochen, auch wenn sie selber dort nicht aktiv sind. Oft sind die Kommentare nicht allzu freundlich, was beispielsweise ein Blick auf den Hashtag #sozial_irrsinn veranschaulicht.

Der differenzierte Beitrag von Peter Sommerfeld auf die Medienkampagne gegen das Sozialwesen zeigt hingegen, dass Interesse an qualifizierten Statements besteht – immerhin erreichte der Beitrag im Facebook 3772 Menschen!

Soziale Organisationen wie Pro Infirmis und Pro Juventute nutzen Social Media-Kanäle als Multiplikator für ihre Kampagnen und Informationen. Dies im Wissen, dass solche Kampagnen nie nur auf Gegenliebe stossen, sondern immer auch kritisch beurteilt und entsprechend kommentiert werden. Im Gegenzug wird dadurch natürlich die Aufmerksamkeit gesteigert.

Für Soziale Institutionen stellt sich die Frage der Imagepflege heute mehr denn je. Dabei sollten die vielfältigen Möglichkeiten der Sozialen Medien wie Facebook und Twitter genau geprüft werden. Nicht-Kommunizieren könnte hier bereits einen Imageschaden bewirken.

Denn die Erwartungen an Firmen aber auch an Organisationen haben sich mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten geändert. Also müssen Wege gefunden werden, wie Organisationen der Sozialen Arbeit ihre Positionen auf Social Media in einem angemessenen Rahmen teilen und verteidigen können.

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SOZIALE ARBEIT IN DER DIGITALEN GESELLSCHAFT

logo_bfh_deDie Digitalisierung beeinflusst nicht nur unsere Gegenwart, vielmehr bereiten wir jetzt unsere Zukunft vor.
Wir freuen uns gemeinsam mit der Berner Fachhochschule ein innovatives Modul präsentieren zu können, welches dieses Thema für die Soziale Arbeit angeht.

Abstrakt:
Bereits jetzt erkennen wir, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf unsere Gesellschaft hat.  Die Digitalisierung beeinflusst nicht nur die Art, wie wir kommunizieren, sondern auch wie wir einkaufen, arbeiten und uns in dieser Welt bewegen. Wir fragen uns in diesem Modul, wie sich die Innovationen auf Wirtschaft, Politik, Kommunikation und vor allem auf die Soziale Arbeit auswirken. Denn auch in der Sozialen Arbeit wird oder hat das Digitale bereits Einzug gehalten: Wie verhalten sich Klienten hinsichtlich Social Media? Wie wirken sich digitale Geschäftsideen auf die Wirtschaft und das Sozialsystem aus?  Wo müssen wir uns umhören oder mitreden, um als Professionelle der Sozialen Arbeit am Ball zu bleiben? Welche Möglichkeiten bietet uns die Digitalisierung für die Ausübung unserer Arbeit?  Zu welchen neuen sozialen Problemstellungen führt die Digitalisierung? Diesen Fragen gehen wir im Modul nach. Dabei erleben wir die Digitalisierung hautnah. Dieses Modul wird in Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle sozialinfo.ch angeboten.

Berner Fachhochschule

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Rückblick re:publica 15 und Media Convention

re:publica 15 - FINDING EUROPEFür mich war das Wort der re:publica 15 „Misstrauen“.
Bereits in der Eröffnungsrede indirekt angesprochen im Kommentar zu Öttinger, danach bei Ethan Zuckerman beim Namen genannt und auch in weiteren Vorträgen immer wieder durchgeblitzt v.a. auch beim leisen, aber sehr spannenden Vortrag von Ingrid Brodnig.
Die einen Misstrauen der Politik, andere der Presse, viele den großen Internetfirmen und irgendwie Misstrauen Einigesich gegenseitig und jedem.
Wir leben in Zeiten der Umbrüche, die Regeln werden nicht nur in vielen Branchen gerade neu geschrieben, ohne das irgendjemand nach dem Einverständnis fragt, anderen bangt davor von der Digitalisierung eingeholt zu werden. Häufig haben wir das Gefühl den Überblick von all den Informationen zu verlieren und halten uns an eine der vielen Wahrheiten fest die gerade durch den Raum fliegen und Misstrauen dem Rest.

Ethan Zuckerman – The system is broken and that’s the good news

Friedemann Karig – Die Abschaffung der Wahrheit

Ingrid Brodnig – Die kaputte politische Debatte

Das Digitale schürt aber natürlich nicht nur Misstrauen sondern gibt uns auch neue Mittel in die Hand, selber mit zu sprechen und über Themen zu schreiben die uns bewegen. Die fünfte Gewalt nennt „uns“ Bernhard Pörksen und legt dar was wir alles erreichen können.

Auch die Arbeit ist von der Digitalisierung immer mehr betroffen, sehr schön zeigte dies Johannes Kleske auf. Denn auch Jenseits des Buzzword Plattform-Kapitalismus gibt es jetzt bereits eine Industrie der Billigarbeitskräfte welche u.a. für Google, Daten bereinigen und sortieren oder über Amazon Turk ihre Arbeitslosigkeit zu überbrücken versuchen. Überlassen wir diese den Kräften des Marktes oder nehmen wir einmal mehr den Staat in die Verantwortung.
Natürlich gibt es auch positive Beispiele für Plattform-Kapitalimus. Nicht zu vergessen sind die KonsumentInnen, welche natürlich ebenfalls die Möglichkeit haben zu wählen, was sie unterstützen wollen.

«Ausgeschlossen zu werden, ist die vorherrschende Angst unserer Zeit»
so Zygmund Baumann – ein Satz der auch gut zum Thema Wirtschaft oder Medien passen würde – hier aber im Kontext zu  Privatsphäre und Kommunikation steht. Der Mann hat ein 90jähriges bewegendes Leben hinter sich, trotzdem interessiert er sich nach wie für das, was in dieser Welt geschieht. Im wahrsten Sinne des Wortes hat er uns einen „Vortrag“ gehalten – über die Privatsphäre, Öffentlichkeit, Einsamkeit und Aufmerksamkeit.

Endlich habe ich es geschafft Gunter Dueck Live zu sehen und er hat mich nicht enttäuscht. Der Vortrag hat nicht eigentlich was mit dem Thema „Digitalisierung“ zu tun gehabt, aber ein schöne Auflockerung für den Start in den zweiten Tag war es alle mal.

Zum zweiten Mal besuchte ich die  re:publica und noch intensiver als beim ersten Mal habe ich die Stimmung genossen, die Gespräche, die Begegnungen und natürlich die einmalige Auswahl an Vorträgen, welche mich noch die nächsten Wochen beschäftigen werden. Ich finde die Diskussionen werden immer differenzierter nicht nur Kritik (schwarz) und hochjubeln (weiss) der Digitalen Möglichkeiten, sondern darüber sprechen, wo wir hinschauen sollten, wo es vielleicht etwas zu überdenken gibt. Dies ist nicht Kulturpessimismus oder Internet-Bashing sondern eine wichtige Auseinandersetzung mit einem der zentralsten Themen unsere heutigen Zeit und v.a. unser aller Zukunft.

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Ein Zeichen setzen – Barrierefreie Internetseiten

Die Sensibilität gegenüber Menschen mit Behinderungen hat in den letzten Jahren zugenommen, zum Glück auch im Bereich der neuen Technologien. Viele Smartphones sind barrierefrei oder können mit einigen Einstellungen barrierefrei gemacht werden. Zudem kann der Funktionsumfang mit Apps erweitert werden.

So gibt es mit «wheelmap» eine App, die es ermöglicht, rollstuhlgängige Orte einfach zu finden. Mit «CodeCheck» können Artikel gescannt werden, um genaue Produkteinformationen zu erhalten. Weiter gibt es Tools für den öffentlichen Verkehr oder solche, die die Menükarte eines Restaurants vorlesen.

Nicht jede Technologie ist von Haus aus barrierefrei. Um im weltweiten Web zu surfen, benötigen Betroffene nach wie vor zusätzliche Soft- und Hardware, etwa die Braille-Zeile (Tastatur) oder den Screen-Reader. Trotz dieser Hilfsmittel bestehen in den meisten Internetseiten noch viele Hürden, welche mit einer verfeinerten Programmierung seitens der Hersteller verkleinert werden könnten. Beispiele dafür sind:

  • Schlecht programmierte Menüführung: Der Screen-Reader kann keine vernünftige Übersetzung machen.
  • Fehlender Beschreibungstext bei Bildern: Sehbehinderte Person erhalten keine Informationen.
  • Flash basierte Seiten: Diese sind nicht nur für Blinde und Sehbehinderte unzugänglich, sondern im Normalfall auch für Suchmaschinen.

97 Prozent der Webseiten sind nicht barrierefrei
Laut dem Behindertengleichstellungsgesetz müssen Dienstleistungen der öffentlichen Hand, also auch Webseiten, barrierefrei sein. Trotzdem sind laut Markus Riesch, Geschäftsführer «Zugang für alle», 97 Prozent der Webseiten nicht barrierefrei. Das ist erstaunlich, weil es dank den Anleitungen von «Access for all» einfach ist, schon mit kleinen Anpassungen eine Internetseite für Betroffene zugänglicher zu machen:

  • Bei allen Bildern Alternativtext einfügen
  • Relevante Beschreibungen für externe Links wählen
  • Relative Schriftgrössen einsetzen
  • Kontrast zwischen Schrift- und Hintergrundfarbe beachten
  • Einfache, verständliche Texte verwenden

Am 15. April 2014 hat die Schweiz als 144. Staat die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet. Diese Konvention wird in den nächsten Tag in Kraft treten und den Staat verpflichten, den barrierefreien Zugang zum Internet auch in der Privatwirtschaft zu fördern und zu fordern.

Google ist auch blind
Die Anpassungen gemäss der Empfehlungen der WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) haben einen schönen Nebeneffekt – sie sind Teil einer erfolgreichen Suchmaschinenoptimerung. Denn Google ist eigentlich auch blind, kann nichts als Text erkennen und verwerten. Wer seine Internetseite barrierefrei gestaltet, macht also gleichzeitig etwas für seine Platzierung bei Google. Zudem ist eine barrierefreie Internetseite für alle Besucher bedienerfreundlicher. Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass Institutionen, die im Sozialen Bereich tätig sind, auch online ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen. Barrierefreie Programmierung ist ein solches Zeichen. Die Geschäftsstelle sozialinfo.ch hat es sich zum Ziel gesetzt, die eigenen Seiten bis 2015 barrierefrei einzurichten.

Weitere Informationen zu barrierefreien Internetseiten finden Sie unter www.access4all.ch.

barrierefreiheit

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Neues Monatsthema „Netzpolitik geht alle an“

politicsIst es nicht erstaunlich, dass wir uns bei einer Technologie, die zunehmend unser ganzes Leben durchdringt, so wenig für die Machtverhältnisse interessieren? Das Internet gestaltet unseren Alltag, unsere Beziehungen und unser Berufsleben um. Aber auch unsere gegenwärtigen und künftigen Möglichkeiten und Chancen der Lebensführung sind zunehmend vom Internet und seinen Anwendungen abhängig. Wir sollten die Ausgestaltung dieser Technologie also nicht den Grosskonzernen überlassen! Netzpolitisches Engagement ist angesagt!

Auf sozialinfo.ch haben wir Links zu aktuellen Artikeln zusammengestellt. Wir freuen uns über weitere Hinweise und Diskussionen hier auf dem Blog oder auf der Themenseite.

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