Medienkompetenz: relevant für die Soziale Arbeit

This post has already been read 1156 times!

Rückschau auf das FHNW-Praxisforum 2013 in Olten – von Martin Heiniger

Children with tablet computerDie Art und Weise, wie wir kommunizieren, verändert sich durch Social Media und das Web2.0 markant. Dadurch verändern sich auch die Gesellschaft und damit unsere Art zu leben. Soweit die Ausgangsüberlegung des Workshops „gesellschaftliche Veränderungen durch neue Kommunkationsformen“, den ich anlässlich des Praxisforums „Social Media und Soziale Arbeit“ der FHNW anbieten durfte.

Was ändert sich denn konkret an unserem Leben? Für den Workshop hatte ich 7 Thesen vorbereitet, die dazu dienen sollten, Veränderungen fassbar zu machen, die sich abzeichnen und z.T. schon Realität sind. Angesprochen wurden Themen wie Wissenskultur, Selbstdarstellung, neurophysiologische Auswirkungen, Veränderung begrifflicher Gehalte (z.B. Freundschaft) oder unser Selbstbild unter den Bedingen von Big Data. In der Diskussion zeigte sich ein wichtiger gemeinsamer Nenner all dieser Themen: die Medienkompetenz. Die entsprechende These lautete:

Nun läuft man immer Gefahr, dass ein Begriff an Schärfe und Brauchbarkeit verliert, wenn er zu stark überfrachtet wird. Zur Konkretisierung sollten deshalb hier ein paar Dimensionen des Begriffs beschrieben werden – ohne Anspruch auf Vollständigkeit notabene.

Zugang + Medienkompetenz = Teilhabe

Gesellschaftliche Teilhabe bedingt Zugang zu wichtigen Ressourcen. In der mediatisierten Welt heisst das: wer über keine entsprechende technische Infrastruktur verfügt, dem ist der Zugang verwehrt. Dies gilt im Besonderen auch für Menschen mit Behinderungen, die noch auf zusätzliche Mittel angewiesen sind.

Zugang und Verfügbarkeit der notwendigen infrastrukturellen Ressourcen allein reichen jedoch nicht:

Man würde denken, dass auch die Schülerinnen und Schüler mit weniger Büchern zu Hause nun einfacher an Wissen gelangen. Doch weil die Gewichtung der Informationen entscheidet, entsteht vielmehr eine digitale Kluft. Die technischen Hilfsmittel vergrössern den Rückstand der bildungsfernen Schichten noch zusätzlich.“ (Philipp Wampfler, Interview in der WOZ)

Hier ist eine kognitive Dimension der Medienkompetenz angesprochen: das notwendige Vorwissen, um mit den Inhalten im Internet überhaupt etwas anfangen zu können. Die Grenze zwischen „Medienkompetenz“ und einem übergeordneten „Kulturwissen“ werden hier unscharf. Klar ist, dass das Internet erst zum Mittel der Aufklärung und Chancengleichheit wird, wenn sowohl der Zugang gewährleistet ist, als auch die Menschen über den notwendigen kulturellen Hintergrund verfügen, um es gewinnbringend zu nutzen. Andernfalls drohen neue Formen des Ausschlusses.

Kritikfähigkeit

Medienkompetenz ist daher als Kulturtechnik zu verstehen, die mehr beinhaltet als bloss die wichtigsten Kommunikationskanäle zu kennen und bedienen zu können. Der digitale Lebensstil erfordert ein zunehmendes Mass an Wissen, Fähigkeiten und Reflexion. Es braucht eine

„(…) Medienkompetenz, die sich nicht auf technische Fertigkeiten beschränkt, sondern einen kritischen Umgang mit digitalen Medien und einen sinnvollen Einsatz verschiedener Kommunikationsinstrumente ermöglicht.“ (S. Ingold / R. Eugster in: Handbuch Sozialwesen Schweiz, S. 198)

Der hier angesprochene kritische Umgang bezieht sich beispielsweise auf die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem, Richtiges von Falschem unterscheiden oder, ganz generell, die Qualität von Inhalten einschätzen zu können. Durch die immer grössere Flut an zugänglichen Informationen, aber auch durch den user generated content ist diese Anforderung gestiegen. Diese Art der Kritikfähigkeit ist mit dem oben genannten kulturellen Vorwissen natürlich eng verbunden.

Digitale Selbstverteidigung

Ein kritischer Umgang ist aber auch geboten in Bezug auf den Umgang mit eigenen Daten. Zu grosse Freigebigkeit kann sich negativ auswirken. Eine mögliche Antwort zeichnet die Wortschöpfung der „digitalen Selbstverteidigung“ vor. Sie beinhaltet sowohl das notwendige Wissen und Bewusstsein darüber, wie diese neuen Technologien und Anwendungen funktionieren, aber auch das Beherrschen der wichtigsten Tricks, um sich vor unliebsamen Eingriffen und Übergriffen zu schützen.

„Entscheidend ist, wie viel ich von meinem Privatlaben im Netz sehen möchte. Da kommt die digitale Selbstverteidigung ins Spiel. […] Alles, was ich einmal ins Web stelle, kann gegen mich verwendet werden. Man hat im Internet das Recht, jemand anderes zu sein. Es ist meine Identität und Freiheit. Denn: Wollen wir ständig unter der Lupe von Unternehmen sein, wenn wir uns im Web bewegen? Ehrlichkeit rächt sich am längsten, weil das Internet nicht vergisst.“ (Steffan Heuer im Tages Anzeiger )

Bedeutung für die Soziale Arbeit

Das physische und das digitale Leben verschmelzen zusehends. Je weniger Lebensbereiche es gibt, die nicht durchdrungen sind von der Allgegenwart der virtuellen Welt, desto wichtiger ist ein informierter und kompetenter Umgang damit. Deshalb kann man behaupten, dass Medienkompetenz zu einer zentralen Kulturtechnik geworden ist. Vielleicht ist sie das schon lange; es scheint jedoch, dass ihre Dringlichkeit aufgrund der neuen Möglichkeiten und Gefahren im Web2.0 gestiegen ist.

Um die Lebenswelt der Klientschaft zu kennen und verstehen, aber auch um sie kompetent beraten zu können, sind für die Professionellen der Sozialen Arbeit eigene Medienkompetenzen unabdingbar. Der Sozialen Arbeit kommt aber auch eine wichtige Rolle zu, wenn es darum geht, die Medienkompetenzen ihrer KlientInnen zu fördern und die notwendige Medienbildung zu vermitteln.

Print Friendly
Share

Ein Gedanke zu “Medienkompetenz: relevant für die Soziale Arbeit

  1. Pingback: Medienkompetenz: relevant für die Soziale ...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.