re:publica TEN – Die Konferenz der Begegnungen

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IMG_0766Zum dritten Mal durfte ich die re:publica in Berlin besuchen und wieder einmal war ich begeistert von der Vielfalt an Menschen, die an diesen drei Tagen zusammen gekommen sind. Wie in den letzten Jahren, lag auch dieses Mal ein besonderes Gefühl im Raum. Das Gefühl eine andere, eine bessere (digitale) Welt sei möglich. Und gerade dieses Jahr fand ich die Aufrufe gegen Hass, gegen Ungerechtigkeit besonders stark. Das tut in dieser herausfordernden Zeit besonders gut, auch wenn die Bilanz des Erreichten dann doch etwas ernüchternd ausfällt.

Das Digitale-Klassentreffen bot auch dieses Jahr wieder eine überfordernde Auswahl an tollen Vorträgen, Panels und Begegnungen, um genau zu sein 17 Bühnen, 770 SprecherInnen, 500 Sessions, 8000 TeilnehmerInnen aus 60 Ländern (zum Glück kann man sich die meisten danach online ansehen).

Vielleicht ist es ja schon ein Anfang, wenn wir mal wieder „nur“ zuhören, andere Meinungen und Sichtweisen einfach zur Kenntnis nehmen, darüber nachdenken und mit anderen darüber weiter diskutieren.

Den Referenten auf den Bühnen kann man akustisch begegnen und sie schenken uns einem dafür einen Blick auf ihre Gedanken und in besonderen Fällen ihr Leben oder das was sie stark beschäftigt.

Zwei Menschen haben mich diesbezüglich besonders berührt:

 

Kübra Gümüsay (freie Journalistin, Bloggerin u.v.m) spricht sehr eindrücklich über Ihre Erfahrungen mit Hasskommentaren on- und offline und appellierte an uns „Organisiert Liebe“

Carolin Emcke (Philosophin und Auslandskorrespondentin) hat sich mit der Frage befasst woher kommt der Hass und trägt ihre Ansichten in sehr intensiven Gedanken vor. Den Vortrag gibt es leider nicht als Video aber auf t3n findet sich eine Zusammenfassung. Das Buch zu diesem Thema erscheint voraussichtlich im Herbst.

Natürlich begegnet man auch alten Bekannten wieder, die einem immer wieder aufs Neue inspirieren und amüsieren.

Wie immer leicht verwirrt aber beeindruckend auf den Punkt gebracht spricht Gunter Dueck über Glaubenssätze die Einlass finden in Politik und Wirtschaft.

Friedemann Karig spricht gewohnt eloquent, ausgestattet mit den coolsten PowerPoint Folien, über unser aller Pubertät im Bezug auf das Internet.

Storytelling über Storytelling das hat Bernard Pörksen voll drauf, 30 Minuten fesselt er einem mit seiner Geschichte wie Geschichten immer noch funktionieren. Leider gibt es davon noch kein Video.

Dann gibt es auch die neu Entdeckungen. Speaker denen man zum ersten Mal begegnet und die einem eine neue Welt, neue Idee und Gedanken präsentieren.

Jeff Kowalski hat darüber gesprochen wie wir Dinge formen und sie uns formen und was für Formen die Zukunft bringen wird.

Laurie Penny hat in Ihrer Session v.a. über Science-Fiction gesprochen und über Storytelling. Darüber warum der Held „immer“ weiss und männlich sein muss. Aber v.a. hat sie dazu aufgerufen eigene Geschichten zu schreiben wenn die angebotenen nicht gefallen, was viele auch schon machen, zusammengefasst unter dem Titel „Fan-Fiction“.

Auch den Vortrag von Laurie Penny gibt es leider noch nicht auf Video, aber der Bayerische Rundfunk hat sich nach dem Referat zu einem Gespräch getroffen (siehe Video unten) und die FAZ hat die Session in einem Artikel zusammengefasst.

Ausserdem:
Richard Sennett – The City as an Open System

oder trotzdem
Sascha Lobo – The Age of trotzdem

Was für mich in diesem Jahr etwas ganz Besonderes war, die vielen Begegnungen neben den Bühnen. Schon am Flughafen erwarteten mich die ersten gespannten und freudigen Gesichter. Der Hof der Re:publica stellt den Mittelpunkt und sowas wie den Treffpunkt der Konferenz dar. Gesichter die ich bisher aus den sozialen Netzwerken kannte und mit denen ich nun persönliche Worte wechselte. Ein bisschen kennt man sich schon aus den jeweiligen Netzwerken und so entwickeln sich Gespräche, Ideen, Projekte. Es endet auch nicht am Flughafen Zürich beim warten auf das Gepäck. Nein, es geht weiter, auf Facebook, Twitter oder Snapchat. So nehmen alle Anteil an dem, was der andere macht, woran er arbeitet, was ihn beschäftigt. Ich freue mich schon auf den Mai 2017 in Berlin an der 11ten re:publica um diese Begegnungen wieder persönlich weiter zu pflegen.

 

Update:
Leider verpasste ich die Session von Luciano Floridi, bei der auch Edward Snowden aus Moskau zugeschaltet wurde. Nun gibt es diesen spannenden Vortrag auch endlich als Video. Luciano Floridi gehört für mich zu den momentan spannendsten Denkern, welche sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen. Aber hören Sie selber….

Update: 30. Mai 2016

Nun ist auch der Vortrag von Laurie Penny online. Viel Spass!

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