„Soziale Arbeit in der Digitalen Gesellschaft“ – Rückblick auf das Modul

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Die Zeit vergeht im Fluge, insbesondere wenn man mit interessierten Studierenden über die Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Soziale Arbeit sprechen darf. So ist die erste Durchführung des Moduls „Soziale Arbeit in der digitalen Gesellschaft“ schon Geschichte.

Nach diesen 12 Halbtagen und den aufschlussreichen und positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden bin ich noch mehr davon überzeugt, dass das Thema Digitalisierung für die Soziale Arbeit unglaublich wichtig ist. Die Tragweite der Digitalisierung ist nach wie vor vielen Menschen nicht bewusst. Gerade in der Sozialen Arbeit erlebe ich gegenüber neuen Medien und Technologien eine eher konservative Haltung, die schon Richtung Kulturpessimismus geht. Leider führt diese Haltung häufig dazu, dass man sich nicht einmal über die Möglichkeiten einer neuen Technologie Gedanken macht, sondern einfach pauschal alles ablehnt, selbst wenn die Technologie in der relevanten beruflichen Zielgruppe bereits in regem Gebrauch ist und sich dieser die Frage, ob WhatsApp etwas bringt, nicht mehr stellt.

Aber natürlich wollten wir in unserem Modul nicht einfach eine Lobeshymne auf die Digitalisierung anstimmen, sondern durchaus kritisch über die Möglichkeiten und Tendenzen berichten und so die Studierenden zum Nachdenken anregen. Einen Tag lang mussten sie zum Beispiel in einem Journal festhalten, wo überall persönliche Daten von ihnen gesammelt werden. Spannend waren auch die Keynotes der externen Fachpersonen zu Monitoring, Politik und Wissenschaft, Online-Beratung oder Rechte im Internet.

Gestartet sind wir im Modul  mit einem Blick in die Zukunft: wo stehen wir und wohin könnte die Digitalisierung führen? Welche Auswirkungen könnte dies auf die Wirtschaft, unsere Arbeit, auf Medizin, Politik und Mobilität haben? Das eine oder andere doch ziemlich erstaunte Gesicht konnte ich danach in der Runde erblicken. Durch das Zusammensetzen der Puzzleteile aus den verschiedenen Halbtagen, hat sich die Erkenntnis, was dies alles für die Soziale Arbeite bedeuten könnte, immer mehr herauskristallisiert.

Erfreulicherweise kam es während des Unterrichtes immer wieder zu Diskussionen und kritischen Inputs durch die Studierenden, was mir gezeigt hat, dass sich die Leute für dieses Thema interessieren und vor allem auch mitreden können und wollen.

Ironischerweise hatten wir während den Online-Sequenzen leider ab und zu mit der Technik zu kämpfen, was wir aber bis zur nächsten Durchführung verbessern werden.

Selbstverständlich haben wir auch die Kompetenznachweise dem Thema angepasst. Die Studierenden sollten sich konkret und praxisnah über einen Blog oder über Twitter mit dem Thema auseinandersetzen.

So sind zwei Blogs und ein Twitter-Experiment entstanden: https://rem3blog.wordpress.com,  http://sozialearbeit-zweipunktnull.jimdo.com,   #wasdänkschdudrüber

Die Ausschreibung für das nächste Modul „Soziale Arbeit in der digitalen Gesellschaft“ an der BFH beginnt bald und ich hoffe, dass wir uns auch im nächsten Semester mit diesem spannenden Thema neu auseinandersetzen können. „Neu“ deshalb, weil sich bis dahin wieder vieles geändert haben wird und wir auch unser eigenes Wissen immer wieder updaten. Es bleibt – wie so oft im Leben – spannend.

Update:
In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz führen wir im September ein Fachseminar zu diesem Thema durch. Weitere Informationen.

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Rückblick re:publica 15 und Media Convention

re:publica 15 - FINDING EUROPEFür mich war das Wort der re:publica 15 „Misstrauen“.
Bereits in der Eröffnungsrede indirekt angesprochen im Kommentar zu Öttinger, danach bei Ethan Zuckerman beim Namen genannt und auch in weiteren Vorträgen immer wieder durchgeblitzt v.a. auch beim leisen, aber sehr spannenden Vortrag von Ingrid Brodnig.
Die einen Misstrauen der Politik, andere der Presse, viele den großen Internetfirmen und irgendwie Misstrauen Einigesich gegenseitig und jedem.
Wir leben in Zeiten der Umbrüche, die Regeln werden nicht nur in vielen Branchen gerade neu geschrieben, ohne das irgendjemand nach dem Einverständnis fragt, anderen bangt davor von der Digitalisierung eingeholt zu werden. Häufig haben wir das Gefühl den Überblick von all den Informationen zu verlieren und halten uns an eine der vielen Wahrheiten fest die gerade durch den Raum fliegen und Misstrauen dem Rest.

Ethan Zuckerman – The system is broken and that’s the good news

Friedemann Karig – Die Abschaffung der Wahrheit

Ingrid Brodnig – Die kaputte politische Debatte

Das Digitale schürt aber natürlich nicht nur Misstrauen sondern gibt uns auch neue Mittel in die Hand, selber mit zu sprechen und über Themen zu schreiben die uns bewegen. Die fünfte Gewalt nennt „uns“ Bernhard Pörksen und legt dar was wir alles erreichen können.

Auch die Arbeit ist von der Digitalisierung immer mehr betroffen, sehr schön zeigte dies Johannes Kleske auf. Denn auch Jenseits des Buzzword Plattform-Kapitalismus gibt es jetzt bereits eine Industrie der Billigarbeitskräfte welche u.a. für Google, Daten bereinigen und sortieren oder über Amazon Turk ihre Arbeitslosigkeit zu überbrücken versuchen. Überlassen wir diese den Kräften des Marktes oder nehmen wir einmal mehr den Staat in die Verantwortung.
Natürlich gibt es auch positive Beispiele für Plattform-Kapitalimus. Nicht zu vergessen sind die KonsumentInnen, welche natürlich ebenfalls die Möglichkeit haben zu wählen, was sie unterstützen wollen.

«Ausgeschlossen zu werden, ist die vorherrschende Angst unserer Zeit»
so Zygmund Baumann – ein Satz der auch gut zum Thema Wirtschaft oder Medien passen würde – hier aber im Kontext zu  Privatsphäre und Kommunikation steht. Der Mann hat ein 90jähriges bewegendes Leben hinter sich, trotzdem interessiert er sich nach wie für das, was in dieser Welt geschieht. Im wahrsten Sinne des Wortes hat er uns einen „Vortrag“ gehalten – über die Privatsphäre, Öffentlichkeit, Einsamkeit und Aufmerksamkeit.

Endlich habe ich es geschafft Gunter Dueck Live zu sehen und er hat mich nicht enttäuscht. Der Vortrag hat nicht eigentlich was mit dem Thema „Digitalisierung“ zu tun gehabt, aber ein schöne Auflockerung für den Start in den zweiten Tag war es alle mal.

Zum zweiten Mal besuchte ich die  re:publica und noch intensiver als beim ersten Mal habe ich die Stimmung genossen, die Gespräche, die Begegnungen und natürlich die einmalige Auswahl an Vorträgen, welche mich noch die nächsten Wochen beschäftigen werden. Ich finde die Diskussionen werden immer differenzierter nicht nur Kritik (schwarz) und hochjubeln (weiss) der Digitalen Möglichkeiten, sondern darüber sprechen, wo wir hinschauen sollten, wo es vielleicht etwas zu überdenken gibt. Dies ist nicht Kulturpessimismus oder Internet-Bashing sondern eine wichtige Auseinandersetzung mit einem der zentralsten Themen unsere heutigen Zeit und v.a. unser aller Zukunft.

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