Rückblick re:publica 15 und Media Convention

re:publica 15 - FINDING EUROPEFür mich war das Wort der re:publica 15 „Misstrauen“.
Bereits in der Eröffnungsrede indirekt angesprochen im Kommentar zu Öttinger, danach bei Ethan Zuckerman beim Namen genannt und auch in weiteren Vorträgen immer wieder durchgeblitzt v.a. auch beim leisen, aber sehr spannenden Vortrag von Ingrid Brodnig.
Die einen Misstrauen der Politik, andere der Presse, viele den großen Internetfirmen und irgendwie Misstrauen Einigesich gegenseitig und jedem.
Wir leben in Zeiten der Umbrüche, die Regeln werden nicht nur in vielen Branchen gerade neu geschrieben, ohne das irgendjemand nach dem Einverständnis fragt, anderen bangt davor von der Digitalisierung eingeholt zu werden. Häufig haben wir das Gefühl den Überblick von all den Informationen zu verlieren und halten uns an eine der vielen Wahrheiten fest die gerade durch den Raum fliegen und Misstrauen dem Rest.

Ethan Zuckerman – The system is broken and that’s the good news

Friedemann Karig – Die Abschaffung der Wahrheit

Ingrid Brodnig – Die kaputte politische Debatte

Das Digitale schürt aber natürlich nicht nur Misstrauen sondern gibt uns auch neue Mittel in die Hand, selber mit zu sprechen und über Themen zu schreiben die uns bewegen. Die fünfte Gewalt nennt „uns“ Bernhard Pörksen und legt dar was wir alles erreichen können.

Auch die Arbeit ist von der Digitalisierung immer mehr betroffen, sehr schön zeigte dies Johannes Kleske auf. Denn auch Jenseits des Buzzword Plattform-Kapitalismus gibt es jetzt bereits eine Industrie der Billigarbeitskräfte welche u.a. für Google, Daten bereinigen und sortieren oder über Amazon Turk ihre Arbeitslosigkeit zu überbrücken versuchen. Überlassen wir diese den Kräften des Marktes oder nehmen wir einmal mehr den Staat in die Verantwortung.
Natürlich gibt es auch positive Beispiele für Plattform-Kapitalimus. Nicht zu vergessen sind die KonsumentInnen, welche natürlich ebenfalls die Möglichkeit haben zu wählen, was sie unterstützen wollen.

«Ausgeschlossen zu werden, ist die vorherrschende Angst unserer Zeit»
so Zygmund Baumann – ein Satz der auch gut zum Thema Wirtschaft oder Medien passen würde – hier aber im Kontext zu  Privatsphäre und Kommunikation steht. Der Mann hat ein 90jähriges bewegendes Leben hinter sich, trotzdem interessiert er sich nach wie für das, was in dieser Welt geschieht. Im wahrsten Sinne des Wortes hat er uns einen „Vortrag“ gehalten – über die Privatsphäre, Öffentlichkeit, Einsamkeit und Aufmerksamkeit.

Endlich habe ich es geschafft Gunter Dueck Live zu sehen und er hat mich nicht enttäuscht. Der Vortrag hat nicht eigentlich was mit dem Thema „Digitalisierung“ zu tun gehabt, aber ein schöne Auflockerung für den Start in den zweiten Tag war es alle mal.

Zum zweiten Mal besuchte ich die  re:publica und noch intensiver als beim ersten Mal habe ich die Stimmung genossen, die Gespräche, die Begegnungen und natürlich die einmalige Auswahl an Vorträgen, welche mich noch die nächsten Wochen beschäftigen werden. Ich finde die Diskussionen werden immer differenzierter nicht nur Kritik (schwarz) und hochjubeln (weiss) der Digitalen Möglichkeiten, sondern darüber sprechen, wo wir hinschauen sollten, wo es vielleicht etwas zu überdenken gibt. Dies ist nicht Kulturpessimismus oder Internet-Bashing sondern eine wichtige Auseinandersetzung mit einem der zentralsten Themen unsere heutigen Zeit und v.a. unser aller Zukunft.

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Emergenz digitaler Öffentlichkeiten / Das wilde Netzwerk

Beide Bücher bieten einen spannenden, anderen Blick auf das Phänomen Social Media. Nicht PR, nicht Marketing sondern die Menschen die tagtäglich darin posten und twittern und wie Social Media ihr Leben beeinflusst stehen hier im Mittelpunkt.

Emergenz digitaler Öffentlichkeiten 
Die Sozialen Medien im Web 2.0
Stefan Münker
September 2009
ISBN 978-3-518-26026-5
Suhrkamp Verlag 

 

 

 

Das wilde Netzwerk
Ein ethnologischer Blick auf Facebook
Daniel Miller
Januar 2012
ISBN  978-3-518-26042-5
Suhrkamp Verlag 

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Der Social-Media-Rausch

Eine erfrischende Position zu den Hype-Büchern rund um Social Media. Auch beim Thema Social Media wird nur mit Wasser gekocht.

Der Social-Media-Rausch
Wie der Hype und seine Propheten vom Wesentlichen ablenken
Halmut van Rinsum; Frank Zimmer
1. Auflage 2011
ISBN 978-3-86980-141-4
Businessvillage

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Leitfaden „Soziale Arbeit und Social Media“

Im Leitfaden “Soziale Arbeit und Social Media” lassen wir Menschen zu Wort kommen, bei welchen sich Social Media und Soziale Arbeit in irgendeiner Form berühren: sei dies als Betroffene, als Professionelle in der Sozialen Arbeit oder im institutionellen und rechtlichen Rahmen.

Mit folgenden Gesprächspartnern haben wir Interviews geführt und sie zum persönlichen und beruflichen Umgang mit den Sozialen Medien befragt:
Matthias Naleppo, Daniel Graf, René Jaun, David Siems, Silvia Schoch-Meyer, Bruno Bäriswyl, Ursula Widmer, Kurt Pärli, Marcel Küng, Marie-Christine Schindler und Olivier Grand (Reihenfolge gemäss Publikation im Leitfaden)
Seitens der Geschäftsstelle sozialinfo.ch haben sich folgende Personen mit der Thematik befasst und sind für die Publikation verantwortlich: Barbara Beringer , Martin Heiniger und Patrick Blaser

Innerhalb der Interviews stellen wir unseren Gesprächspartnern einige Fragen, welche den persönlichen Bezug zu Social Media aufzeigen. Wir lassen Ihnen diese hier in zufälliger Reihenfolge zukommen.
Geschäftsstelle sozialinfo.ch

Fragen zu Social Media beantwortet von Patrick Blaser

blp_zuschnitt

Gesprächspartner:
Patrick Blaser

Ausbildung, Arbeitgeber, Funktion:
Webdesigner, Online Marketing Manager
Geschäftsstelle sozialinfo.ch
Verantwortlicher Web & Social Media

Internetgeneration:
Grad nicht mehr Digital Native


Wie viel Zeit verbringen Sie mit Social Media Anwendungen?
1-2 Std. pro Tag, privat und geschäftlich

Welche Anwendungen (Social Media, Web 2.0) nutzen Sie und wofür?
Facebook, Twitter und Google+ sowohl privat als auch geschäftlich. Jede Plattform nutze ich anders. Facebook viel mehr für Privates, Twitter um mich über bestimmte Themen auf dem laufenden zu halten oder auch mal um eine Konferenz zu verfolgen an der ich nicht dabei sein kann. Bei Google+ bin ich noch etwas unsicher.
Pinterest finde ich unterhaltsam und benutze ich um Bilder zu posten. Natürlich Xing und Linkedin – aber nicht regelmässig. Einige Blogs habe ich abonniert und lese ich regelmässig. Neu am Entdecken bin ich Vine, der (Kurz-)Videodienst von Twitter.

Wie hat sich ihr Leben verändert? Gibt es Dinge, die Sie nicht (mehr) tun könnten, ohne Web 2.0?
Ich habe viele Menschen kennengelernt die ich ohne Facebook, Twitter und Co. nie kennengelernt hätte. Das Web 2.0 hat aber vor allem Einfluss auf meine Arbeit. Viele neue spannende Technologien sind dazu gekommen und gerade im Marketing viele neue Möglichkeiten. Daher gibt es einiges in meinem Job das ich nicht so machen könnte, ohne Web 2.0.

Trennen Sie berufliche und private Informationen?
Nicht zwingend, es gehört ja beides zu meinem Leben. Ich überlege mir was ich auf Facebook poste und was auf Twitter, das ist nicht immer dasselbe. Aber für mich vermischen sich beide Bereich immer mehr. Zudem habe ich mit Menschen Kontakt, die ich sowohl beruflich, als auch privat kenne. Weiter gehört zu dem Beruf eine gewisse Leidenschaft und die lässt sich manchmal nicht einfach in Grenzen halten.

Was denken Sie zum Persönlichkeitsschutz, bzw. wie schützen Sie sich und Ihre Daten?
Ich bin mir bewusst, dass Facebook und Google keine gemeinnützigen Organisationen sind sondern Aktiengesellschaften, die Geld verdienen wollen. Daher ist es wichtig dass man sich bewusst ist was man postet und welche Informationen man zur Verfügung stellt. Deswegen ist Medienkompetenz meiner Meinung nach ein so wichtiges Thema.
Ich persönlich habe meine Privatsphäre bei Facebook entsprechend eingestellt und passe sie auch laufend wieder an. Zudem muss nicht alles gepostet werden, ich stehe immer vor der Wahl ob ich es mit anderen teilen will oder nicht.

Welche Nachteile/Gefahren kann die Teilnahme auf Social Media Plattformen haben? Haben Sie selbst schon negative Erfahrungen gemacht?
Bis jetzt habe ich keine negativen Erfahrungen gemacht, ich finde Social Media hat mein Leben bereichert. Allerdings gibt es ein paar Sachen die manchmal nervig sind wie z. Bsp. unpassende Kommentare oder persönliche Angriffe auf einen Beitrag. Ich gehe immer davon aus dass ich den Menschen innerhalb von Social Media nicht anders begegne als den Menschen auf der Strasse.
Ein anderes Thema ist sicherlich Cybermobbing, welches unbedingt thematisiert werden sollte v.a. in Schulen. Auch hier wieder die Medienkompetenz, aber die brauchen nicht nur die Kinder und Jugendlichen sondern auch die Eltern, Lehrer und andere Verantwortlichen. Deswegen führt kein Weg um die Auseinandersetzung mit Social Media vorbei.

Wie stellen Sie sich die Zukunft mit Social Media vor? Welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen hat dies Ihrer Meinung nach?
Social Media ist im Alltag angekommen. Welche Plattformen in Zukunft führend sein werden ist schwer zu sagen. Die Entwicklung auf diesem Gebiet ist so schnell, schon bald könnte etwas Neues kommen. Im Mobilen-Bereich ist noch viel möglich. Die Google-Brille gibt einen Eindruck wie es in den nächsten Jahren aussehen könnte.
Ich wünsche mir, dass Social Media zu mehr Transparenz innerhalb von Firmen, Organisationen und Staaten führt und dadurch mehr  Dialog und Zusammenarbeit stattfindet: Aus der Kraft, die in der Vernetzung der Menschen liegt, kann viel Neues gestaltet werden.

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Leitfaden „Soziale Arbeit und Social Media“

Im Leitfaden „Soziale Arbeit und Social Media“ lassen wir Menschen zu Wort kommen, bei welchen sich Social Media und Soziale Arbeit in irgendeiner Form berühren: sei dies als Betroffene, als Professionelle in der Sozialen Arbeit oder im institutionellen und rechtlichen Rahmen.
Im Blog stellen wir Ihnen bereits jetzt einige Vorabdrucke und Stellungnahmen zu diesem aktuellen Themenkomplex zur Verfügung.

Mit folgenden Gesprächspartnern haben wir Interviews geführt und sie zum persönlichen und beruflichen Umgang mit den Sozialen Medien befragt:
Matthias Naleppo, Daniel Graf, René Jaun, David Siems, Silvia Schoch-Meyer, Bruno Bäriswyl, Ursula Widmer, Kurt Pärli, Marcel Küng, Marie-Christine Schindler, Olivier Grand (Reihenfolge gemäss Publikation im Leitfaden)
Seitens der Geschäftsstelle sozialinfo.ch haben sich folgende Personen mit der Thematik befasst und sind für die Publikation verantwortlich: Barbara Beringer, Martin Heiniger, Patrick Blaser.

Innerhalb der Interviews haben wir unseren Gesprächspartnern jeweils einige allgemeine, persönlichen Fragen gestellt. Diese sollen den Bezug dieser Personen zu Social Media aufzeigen. Wir lassen Ihnen diese hier in zufälliger Reihe zukommen.

barbara_web_2fa0aef902Gesprächspartnerin: Barbara Beringer
Ausbildung, Arbeitgeber, Funktion: Sozialarbeiterin FH, eidg. dipl. Web Projekt Managerin
Gründerin und Geschäftsleiterin Internetportal sozialinfo.ch

Internetgeneration:
Digital Immigrant mit solidem Background

Wie viel Zeit verbringen Sie mit Social Media Anwendungen?
Privat ca 1 Stunde pro Monat, beruflich etwa das doppelte.

Welche Anwendungen (Social Media, Web 2.0) nutzen Sie und wofür?
Privat habe ich mich vor einigen Jahren erstmals mit Facebook auseinandergesestzt, da mir die Begleitung meiner (in der Zwischenzeit erwachsener) Kinder ein Anliegen war. Persönlich nutze ich Facebook sozusagen nicht.
Beruflich setze ich mich seit zwei Jahren mit den verschiedenen Anwendungen auseinander, interessant finde ich die Entwicklung von Twitter und Google+. Die intensive Nutzung und Bewirtschaftung der Medien überlasse ich gerne den andern.

Wie hat sich ihr Leben verändert? Gibt es Dinge, die Sie nicht (mehr) tun könnten, ohne Web 2.0?
Die realen Freunde meines Alterssegmentes nutzen die Sozialen Medien nur beschränkt oder gar nicht. Ich bin privat nicht darauf angewiesen, nutze aber die Vernetzungsmöglichkeiten von Facebook vor allem für einige private Kontakte im Ausland. Ich sehe die positiven und negative Seiten dieser Medien und bin gespannt, wohin uns die Entwicklung führen wird.

Trennen Sie berufliche und private Informationen?
Die Trennung der beruflichen und privaten Informationen ist mir sehr wichtig. Die sozialen Medien sind aus meiner Sicht nicht die geeigneten Kanäle für den Austausch von persönlichen Informationen.

Was denken Sie zum Persönlichkeitsschutz, bzw. wie schützen Sie sich und Ihre Daten?
Indem ich nichts veröffentliche, was privat bleiben soll.

Welche Nachteile/Gefahren kann die Teilnahme auf Social Media-Plattformen haben? Haben Sie selbst schon negative Erfahrungen gemacht?
Das Wissen um die Grenzen dieser Medien (rechtsstaatliche / rechtliche Aspekte sowie die Manipulationsmöglichkeiten der jeweiligen Besitzer) löst meinerseits ungute Gefühle aus. Ich befürchte gerade bei Menschen mit ungenügender Medienkompetenz oder wenig Lebenserfahrung (ganz junge und ältere Menschen sowie Personen mit psychischen, intellektuellen und sozialen Beeinträchtigungen) negativ prägende Erlebnisse. Es ist mir deshalb ein grosses Anliegen, dass sich Personen mit Erziehungs- und Begleitungsfunktion (Eltern, Lehrpersonen, Professionelle der Sozialen Arbeit, Hausärzte, Spitex etc) gegenüber den neuen Medien nicht verschliessen und deren Potential wie auch deren Gefahren kennen.

Wie stellen Sie sich die Zukunft mit Social Media vor? Welche gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen hat dies Ihrer Meinung nach?
Grundsätzlich werden sich Kommunikation und Sprachgewohnheiten der Menschen verändern. Gesellschaftliche Manipulation und Machtkonzentration wird in Zukunft wohl weniger häufig vorkommen als heute, da sich die Menschen an der Basis austauschen und organisieren können. Dies ist aus meiner Sicht das grosse Potential der Social Media Kanäle.

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